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Von Rehabilitation zur Prävention bei COPD?

Mehr Lebensqualität. Mehr Selbstständigkeit. Buchstäblich mehr Luft zum Atmen. Pneumologische Rehabilitation kann genau das leisten. Zahlreiche Studien belegen ihre Wirksamkeit. Trotzdem erreicht sie noch immer viel zu wenige Patient:innen. Oder sie kommt zu spät im Krankheitsverlauf.

In 45 Minuten vermittelt Prof. Dr. Rembert Koczulla, was moderne Pneumologie-Rehabilitation ausmacht und warum Prävention der Schlüssel sein kann.

Prof. Dr. Rembert Koczulla bringt dieses Dilemma in seiner Fortbildung auf den Punkt. Weg vom reinen Notfallmodus, hin zu früher Prävention. Als Chefarzt am Fachzentrum für Pneumologie der Schön Klinik Berchtesgadener Land verbindet er klinische Erfahrung, Forschung und Alltagspraxis. In seiner CME-Fortbildung „Von Rehabilitation zur Prävention bei COPD?“ bündelt er, den aktuellen Wissenstand zur Rehabilitation. Die entscheidende Frage lautet: Warum handeln wir nicht früher?

Wir danken Prof. Dr. Koczulla sehr, dass wir diese CME-Fortbildung öffentlich zugänglich machen dürfen. Dieses Wissen zur pneumologischen Rehabilitation gehört überall hin, wo es gebraucht wird: in Praxen und Therapieräume. In die Köpfe derjenigen, die täglich mit Patient:innen arbeiten und merken, dass es so wie bisher nicht ausreicht. Dort, wo frühzeitiges Handeln den Unterschied macht.

Pneumologische Rehabilitation ist Teamarbeit

Diagnostik, Atemphysiotherapie, Bewegung, Psychologie, Ernährung und Schulung sind einige der Maßnahmen, die ineinander greifen. In diesem Zusammenspiel entfalten die Bausteine ihre volle Wirkung. Und wenn das gelingt, profitieren alle. Patient:innen gewinnen Sicherheit und Handlungsfähigkeit zurück. Und ganz nebenbei entlastet jede erfolgreiche Reha nicht nur die Betroffenen, sondern auch ein Gesundheitssystem, das oft erst reagiert, wenn es längst brennt.

Der Fortbildungsfilm zeigt, bei wem dieser Ansatz besonders wirkt, welche Faktoren den Unterschied machen und wie viel Potenzial noch zu heben ist. Stabilere Verläufe, gestärkte Patient:innen, mehr Erfolgsmomente im Therapiealltag: Das ist keine Utopie. Das ist machbar.

Thematische Schwerpunkte des Fortbildungsfilms

Der rund 45-minütige Videovortrag von Prof. Dr. Rembert Koczulla verbindet aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Pneumologie-Rehabilitation mit Erfahrungen aus der klinischen Praxis. Im Fokus stehen nicht theoretische Idealkonzepte, sondern Fragen, die sich im Versorgungsalltag tatsächlich stellen.

Konkret geht es unter anderem um:

  • Warum pneumologische Rehabilitation deutlich mehr ist als Kraft- und Ausdauertraining und wie ein multimodaler Therapieansatz genau aussieht
  • Was Komorbiditäten für die Behandlung bedeuten und welche Rolle neue Erkenntnisse zu Hirnveränderungen bei COPD spielen
  • Wie digitale Trainingsprogramme dabei helfen können, Therapieerfolge über die Reha hinaus zu sichern
  • Welchen Stellenwert Atemphysiotherapie, unter anderem mit oszillierenden PEP-Systemen, einnimmt
  • Wann stationäre und wann ambulante Rehabilitation sinnvoll ist – und worauf es bei schwer erkrankten Patient:innen ankommt
  • Welche Evidenz zur Wirksamkeit pneumologischer Rehabilitation vorliegt, unter anderem in Bezug auf Mortalität, Exazerbationen und Rehospitalisierungen
  • Wie Sauerstofftherapie, Schlafdiagnostik, Ernährung sowie Kraft- und Ausdauertraining das Behandlungsergebnis beeinflussen
  • Warum die Akzeptanz von Rehabilitationsmaßnahmen nach wie vor gering ist – und wie eine Reha erfolgreich beantragt werden kann

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Komorbiditäten im Blick behalten

Bei COPD treten typischerweise nicht nur Einschränkungen der Lungenfunktion auf. Veränderungen im Atemfluss, in der Diffusion sowie muskuläre Einschränkungen der Atemmuskulatur – etwa im Rahmen einer Überblähung oder nach infektiösen Erkrankungen wie COVID-19 – spielen ebenfalls eine Rolle. Zusätzlich finden sich häufig kardiovaskuläre Begleiterkrankungen, ein Verlust von Muskelmasse und Muskelfunktion sowie psychische Belastungen wie Angst und Depression.

Im Durchschnitt weisen COPD-Patient:innen drei bis fünf Komorbiditäten auf. Eine in Spanien durchgeführte Untersuchung zeigt, dass COPD-Betroffene nicht nur mehr Begleiterkrankungen entwickeln, sondern dass diese auch früher im Leben auftreten.

Schaubild der typischen Begleiterkrankungen bei COPD
COPD betrifft den ganzen Körper: Typische Begleiterkrankungen reichen von Herz-Kreislauf-Problemen über Muskelschwäche bis zu psychischen Belastungen.

Hirnveränderungen bei COPD

Neben somatischen Begleiterkrankungen treten bei COPD auch strukturelle Veränderungen im zentralen Nervensystem auf. MRT-Untersuchungen bei moderat und schwer erkrankten Patient:innen zeigen einen Verlust grauer Substanz in bestimmten Hirnregionen. Dieser Befund korreliert negativ mit der Ausprägung der Luftnot sowie mit der Angst vor körperlicher Belastung. Solche Veränderungen werden bislang nur selten konsequent erfasst und finden in vielen rehabilitativen Konzepten wenig Beachtung.

Gleichzeitig ist bekannt, dass graue Substanz grundsätzlich wieder aufgebaut werden kann. Eine in Berlin durchgeführte Untersuchung begleitete sechs junge, gesunde Proband:innen über einen Zeitraum von sechs bis acht Monaten mithilfe wiederholter MRT-Analysen. Die Ergebnisse zeigen einen messbaren Zuwachs grauer Substanz im Zusammenhang mit regelmäßigen Outdoor-Aktivitäten. Vermutet wird, dass vielfältige sensorische Reize sowie zusätzliche kognitive Anforderungen beim Aufenthalt im Freien zu dieser Veränderung beitragen könnten, auch wenn die Daten durch einzelne Limitationen eingeschränkt sind.

Leicht erkrankte Patient:innen

Bei leicht erkrankten Patient:innen bestehen häufig nur geringe oder noch keine funktionellen Einschränkungen. In dieser Phase stehen vor allem Lebensstilfaktoren im Vordergrund. Zu einem günstigen Lebensstil zählen Nichtrauchen, ein stabiles Körpergewicht, regelmäßige körperliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung. Schon diese niedrigschwelligen Maßnahmen – wie etwa einmal wöchentliche Bewegung – können das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse deutlich reduzieren. Im Alltag ist jedoch insbesondere eine ausreichende Tagesaktivität wichtig, da hier ein großes Potenzial zur Risikoreduktion besteht.

Mit zunehmenden Einschränkungen rücken strukturierte Trainingsprogramme stärker in den Fokus. Telemedizinische Konzepte und home-basierte Trainingsansätze bieten zusätzliche Möglichkeiten, Patient:innen im Alltag zu unterstützen und Aktivität zu stabilisieren. Viele dieser Angebote befinden sich allerdings noch in der Erprobung und sind bislang nicht flächendeckend verfügbar.

Digitale Anwendungen als Ergänzung

Digitale Trainingsprogramme können nach einer stationären Rehabilitation dazu beitragen, erreichte Effekte aufrechtzuerhalten. Eine in randomisierten, kontrollierten Studien untersuchte Smartphone-Anwendung kombiniert edukative Inhalte, individualisierte Übungen, Atemtechniken und ein telemedizinisches Coaching. Die Bewegungen werden über die Smartphone-Kamera erfasst und korrigiert, wodurch ein sicheres und alltagsnahes Training ermöglicht wird.

In den Studien zeigte sich, dass Patient:innen in der Interventionsgruppe ihre tägliche Aktivität über mehrere Monate hinweg besser halten konnten als die Kontrollgruppe. Bei einer hochfrequenten Nutzung – mehr als vier Tage pro Woche – kam es sogar zu einem Anstieg der Schrittzahl um etwa 1.000 Schritte pro Tag. Da schon 600 bis 1.000 Schritte täglich eine Exazerbation verhindern können, ist dieser Effekt klinisch relevant.

In einer weiteren Untersuchung, die in pneumologischen Praxen durchgeführt wurde, zeigten sich zunächst keine Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe. Allerdings erhielt die Kontrollgruppe regelmäßige Anrufe und Informationsmaterialien zu Bewegung, was vermutlich zur Verbesserung ihrer Aktivität beitrug – ein Vorgehen, das im Versorgungsalltag selten umgesetzt wird. Auch zeigte die App in derselben Studie eine deutliche Reduktion der Exazerbationen in der Interventionsgruppe. Die Anwendung war vorübergehend als DiGA zugelassen; neue Studien sind bereits geplant.

Fazit
Digitale Trainingsprogramme können helfen, Aktivität nach einer stationären Rehabilitation zu stabilisieren und Selbstmanagement zu unterstützen. Sie ersetzen jedoch keine strukturierte Rehabilitation und sind derzeit noch nicht flächendeckend verfügbar. Aktuelle Studien zeigen vielversprechende Effekte auf Tagesaktivität und Exazerbationsrate, insbesondere bei regelmäßiger Anwendung.

Schwer erkrankte Patient:innen

Bei fortgeschrittener COPD liegt der Schwerpunkt der Versorgung in Deutschland überwiegend auf der stationären Rehabilitation. Ambulante pneumologische Reha-Angebote existieren zwar, stehen jedoch nur in wenigen spezialisierten Zentren zur Verfügung. Aus diesem Grund basieren sowohl viele wissenschaftliche Arbeiten als auch die praktischen Versorgungserfahrungen im Bereich der schwer Erkrankten vor allem auf stationären, multimodalen Programmen.

Vor- und Nachteile stationärer und ambulanter Programme

Die nachfolgende Übersicht zeigt die im Vortrag dargestellten wesentlichen Unterschiede zwischen ambulanten und stationären Rehabilitationsprogrammen.

Vergleich ambulanter und stationärer pneumologischer Rehabilitation: Die Grafik fasst zentrale Vorteile und mögliche Nachteile beider Versorgungsformen zusammen.
Vergleich ambulanter und stationärer pneumologischer Rehabilitation: Die Grafik fasst zentrale Vorteile und mögliche Nachteile beider Versorgungsformen zusammen.

Evidenzbasierte Wirksamkeit

Mehrere Arbeiten zeigen die Wirksamkeit rehabilitativer Maßnahmen bei COPD. In einer australischen Untersuchung war das Langzeitüberleben der Patient:innen, die eine Rehabilitation mit 15 bis 25 Einheiten absolviert hatten, deutlich besser als das der unbehandelten Kontrollgruppe.

Eine Meta-Analyse sowie eine Cochrane-Auswertung berichten, dass nur wenige Patient:innen rehabilitiert werden müssen, um relevante Effekte zu erzielen: Im Durchschnitt vier, um eine Rehospitalisation zu vermeiden, und sechs, um ein Mortalitätssignal zu erreichen. Aus weiteren Daten geht hervor, dass die Intensität der Rehabilitation Einfluss auf die Ergebnisse haben kann.

Was genau bedeutet „pulmonale Rehabilitation“?

Die internationale Definition beschreibt die pulmonale Rehabilitation als eine umfassende, individuell angepasste Intervention. Grundlage ist immer eine sorgfältige Patient:innenbewertung, auf deren Basis ein persönliches Therapieprogramm entsteht.

Definition der pulmonalen Rehabilitation
„Pulmonale Rehabilitation ist eine umfassende Intervention, die auf einer gründlichen Patient:innenbewertung basiert. Sie umfasst individuell angepasste Therapien, unter anderem Bewegungstraining, Schulung und Verhaltensänderung. Ziel ist es, den körperlichen und psychischen Zustand von Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen zu verbessern und langfristig gesundheitsförderndes Verhalten zu unterstützen.“

Zentrale Inhalte der Rehabilitation

Rehabilitation umfasst deutlich mehr als Kraft- und Ausdauertraining. Ziel ist es, langfristige Veränderungen zu erreichen und nachhaltige gesundheitsförderliche Verhaltensweisen zu unterstützen. Die Inhalte reichen daher über rein körperliche Trainingsprogramme hinaus und schließen ein breites Spektrum an therapeutischen Maßnahmen ein:

  • Diagnostik
  • Ausdauer- und Krafttraining
  • Atemphysiotherapie
  • Entspannungstechniken
  • Ergotherapie
  • Schulung und Rauchentwöhnung
  • Psychologischer Support
  • Ernährungsberatung
  • ggf. Schlaflabor
  • Sozialdienst
  • Fachärztliche Konsile

Diese Elemente bilden die Grundlage eines multimodalen rehabilitativen Ansatzes, der individuell an die Bedürfnisse der Patient:innen angepasst wird.

Atemphysiotherapie

Die Atemphysiotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Pneumologie-Rehabilitation. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Techniken wissenschaftlich untersucht.

Ein einfaches und häufig eingesetztes Verfahren ist die Lippenbremse. Eine randomisierte Crossover-Studie zeigte, dass nahezu alle Patient:innen von dieser Technik profitieren.

Ein weiterer Ansatz ist der Einsatz oszillierender PEP-Geräte (OPEP). Das Wirkprinzip basiert auf Oszillationen, die Vibrationen erzeugen. Dieser Mechanismus wird häufig als „Ketchup-Effekt“ beschrieben: Sekret haftet zunächst fest an der Bronchialwand und benötigt wiederholte Druck- und Flussschwankungen, um sich zu lösen und transportiert werden zu können.

RC-Cornet® PLUS

RC-Cornet® PLUS

Atemtherapiegerät mit Oszillation und Feuchtinhalations-Anschluss für die unteren Atemwege

Das Atemtherapiegerät RC-Cornet® PLUS erzeugt einen positiven Ausatemdruck, der festsitzenden Bronchialschleim bei chronischen Atemwegserkrankungen lösen und Husten sowie Atemnot reduzieren kann. Studien belegen, dass eine regelmäßige Therapie den Bedarf an Antibiotika und die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten reduzieren kann.

Da unterschiedliche PEP- und OPEP-Geräte zur Verfügung stehen, ist die Auswahl des passenden Systems entscheidend. Geräte sollten regelmäßig und sorgfältig gereinigt werden. Weiterentwicklungen wie das RC Cornet® PLUS bieten zusätzliche Funktionen und werden in der klinischen Anwendung gut angenommen. Darüber hinaus kann das Gerät mit einem Vernebler kombiniert werden, sodass Atemphysiotherapie und Feuchtinhalation in einer Anwendungseinheit durchgeführt werden können – ein Vorteil, der sowohl die Therapieabläufe vereinfacht als auch Zeit spart.

Fazit
Atemphysiotherapeutische Verfahren – von einfachen Techniken wie der Lippenbremse bis hin zu PEP- und OPEP-Systemen – können einen wichtigen Beitrag zur Rehabilitation leisten. Dies gilt insbesondere für Patient:innen mit vermehrter Sekretlast oder produktivem Husten.

Weitere Maßnahmen: Sauerstoff- und Maskentherapie, Schlafdiagnostik, Ernährung und Training

  • Sauerstofftherapie:
    Ältere Studien zeigen positive Effekte auf das Überleben. Erste Untersuchungen zur automatischen O₂-Titration unter Belastung deuten darauf hin, dass eine bedarfsgerechte Anpassung des Sauerstoffflusses stabile Sättigungswerte ermöglicht und die Belastungsdauer verlängern kann.
  • Nichtinvasive Maskentherapie (NIV):
    Bei sehr schwer erkrankten, hyperkapnischen Patient:innen kann NIV die Trainingszeit verlängern, die Dyspnoe reduzieren und die CO₂-Werte verbessern. Ausgewertete Daten aus Rehazentren zeigen, dass gerade diese Patientengruppe besonders stark von multimodalen Rehabilitationsprogrammen profitiert.
  • Schlafdiagnostik:
    Schlafbezogene Atmungsstörungen sind häufig und betreffen auch Long-COVID-Patient:innen. Ein Schlaflabor liefert wertvolle diagnostische Hinweise, insbesondere bei Fatigue und nächtlichen Atemproblemen, und kann helfen, passende Therapieansätze einzuleiten.
  • Ernährungsberatung:
    Ernährungsmedizinische Maßnahmen unterstützen die körperliche Leistungsfähigkeit. Studien zeigen, dass Ubiquinon (Coenzym Q10) Gehstrecken verbessern kann. Für Vitamin D ließ sich kein genereller Nutzen zur Infektreduktion nachweisen; ein positiver Effekt zeigte sich jedoch bei Asthmatiker:innen, die täglich supplementierten.

Rauchentwöhnung

Die Rauchentwöhnung ist in diesem Kontext unverzichtbar. Gerade nach einem Rauchstopp fällt es vielen Betroffenen schwer, dauerhaft abstinent zu bleiben – Rückfälle sind häufig. Digitale Programme zur Tabakentwöhnung übertragen das Curriculum eines mehrwöchigen Kurses in eine App und nutzen Elemente wie kurze Lerneinheiten, Motivation, Gewohnheitsanalyse, Rückfallprophylaxe und Push-Nachrichten. Einige Anwendungen bieten zudem eine mehrwöchige Nachbetreuung.

In randomisiert-kontrollierten Studien erzielten Nutzer:innen solcher digitalen Programme höhere Abstinenzraten als Personen, die lediglich ein kurzes Beratungsgespräch erhielten.

Digitale Unterstützung kann damit ein zusätzliches Werkzeug im Rahmen der Rauchentwöhnung sein – insbesondere für jüngeres Publikum.

Ausdauer- und Krafttraining

Rehabilitation und Sport werden häufig gleichgesetzt – doch Reha ist weit mehr als Kraft- und Ausdauertraining.“

Bewegung bleibt dennoch ein zentraler Bestandteil der Pneumologie Rehabilitation. Die Wahl des Trainings orientiert sich an Symptomatik, Belastbarkeit und bestehenden Komorbiditäten:

  • Radtraining eignet sich besonders bei stärkerer Dyspnoe oder orthopädischen Einschränkungen, da die sitzende Position entlastet und ein Training trotz eingeschränkter Gehfähigkeit ermöglicht.
  • Gehtraining ist alltagsnah und fördert zusätzlich Gleichgewicht und Sicherheit; zu Beginn kann ein Rollator unterstützen.
  • Krafttraining ist essenziell, da viele COPD-Patient:innen Muskelmasse verlieren (Sarkopenie). Im Fokus stehen große Muskelgruppen, insbesondere
    – die untere Extremität zur Verbesserung von Mobilität und Belastbarkeit
    – die obere Extremität zur Unterstützung alltäglicher Aktivitäten (z. B. Arbeiten über Kopf)
    – Kraftausdauertraining ist vor allem für Patient:innen mit höherem Krankheitsschweregrad oder für Trainingseinsteiger geeignet.

Akzeptanz: Ein großes Defizit trotz klarer Empfehlungen

Trotz klarer Leitlinienempfehlungen bleibt die Akzeptanz rehabilitativer Maßnahmen gering. Befragungen unter Pneumolog:innen zeigen, dass Patient:innen mit moderater wie schwerer COPD nur selten eine Rehabilitation erhalten – selbst nach Exazerbationen. Auch bei schwerem Asthma wird Rehabilitation trotz bestehender Empfehlungen nur in einem Teil der Fälle umgesetzt. Mehrere aktuelle Analysen bestätigen diese Diskrepanz zwischen leitlinienbasierter Empfehlung und tatsächlicher Versorgung.

Um diese Lücke zu verringern, braucht es vor allem mehr Aufmerksamkeit für das Thema, aktive Aufklärung und Fortbildungen wie die hier vorgestellte Veranstaltung, die die Bedeutung der Rehabilitation im klinischen Alltag verdeutlichen.

Rehabilitation gezielt beantragen

Rehabilitationsmaßnahmen müssen in der Regel aktiv beantragt werden. Zuständig sind je nach Situation unterschiedliche Kostenträger:

  • Deutsche Rentenversicherung (DRV): für berufstätige Patient:innen oder zur Sicherung bzw. Verbesserung der Erwerbsfähigkeit
  • Gesetzliche Krankenversicherung (GKV): wenn medizinische Behandlung, Teilhabe oder Alltagsfunktionen im Vordergrund stehen
  • Berufsgenossenschaft (BG): bei beruflich bedingten Erkrankungen oder Folgen, etwa nach arbeitsbedingten Infektionen

Zentrale Schlussgedanken zur pneumologischen Rehabilitation

Pneumologie Rehabilitation kann ihre Wirkung besonders dann entfalten, wenn sie frühzeitig eingeleitet wird und sich an den individuellen Zielen der Patient:innen orientiert. Der Zeitpunkt spielt dabei eine wesentliche Rolle: Wird die Rehabilitation zum Beispiel erst lange nach einer Exazerbation begonnen, sind die erzielbaren Effekte geringer als in den ersten Wochen nach dem Ereignis.

Ein zentraler Bestandteil des rehabilitativen Prozesses ist die gemeinsame Festlegung alltagsrelevanter Ziele. Diese können sehr konkret sein – etwa wieder Treppen bewältigen zu können oder körperliche Aktivität sicherer auszuführen. Solche individuellen Zielparameter helfen dabei, den Behandlungserfolg messbar zu machen und unterstützen Patient:innen dabei, ihre Teilhabe im Alltag wiederzuerlangen.

Prof. Dr. Rembert Koczulla

Über den Autor

Univ.-Prof. Dr. Rembert Koczulla

Seit 2017 Chefarzt Fachzentrum für Pneumologie, Schön Klinik Berchtesgadener Land.

Internist, Pneumologe, Intensivmediziner, Notfallmediziner, Physikalische Therapie, Balneologie.

Quellen:
– Inhalte basieren auf einer CME-Fortbildung von Prof. Dr. Koczulla auf der Plattform Docflix („Von Rehabilitation zur Prävention bei COPD?“, 2025).
– Koczulla, R. (2025). Pulmonale Rehabilitation – Wissenschaftliche Präsentation (unveröffentlicht).
– Divo, M. J. et al. (2018). Comorbidities and risk of mortality in patients with chronic obstructive pulmonary disease: A longitudinal study. PLOS ONE. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0193143
– Esser, R. W., Stoeckel, M. C., Kirsten, A., et al. (2016). Structural brain changes in patients with COPD. Chest, 149(2), 426-434. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26203911
– Puhan, M. A., et al. (2011). Pulmonary rehabilitation following exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD005305.
– Bilder: CME-Fortbildung „Von Rehabilitation zur Prävention bei COPD?“ (Prof. Dr. Koczulla), Docflix, 2025. Verwendung mit freundlicher Genehmigung.

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