Bildunterschrift (Agenturfoto. Mit Modell gestellt)
Einteilung und Bewertung der Dyspnoe
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Dyspnoe einzuteilen. Anhand der Dauer wird sie in akut (Minuten bis Stunden) und chronisch eingeteilt. Von einer chronischen Dyspnoe spricht man, wenn das Symptom über vier bis sechs Wochen anhält oder immer wiederkehrend ist. Auch wenn Dyspnoe regelmäßig auftritt, beispielsweise einmal pro Woche, wird sie als chronisch klassifiziert. Diese Differenzierung ist entscheidend für das diagnostische und therapeutische Vorgehen.
Da Dyspnoe ein subjektives Symptom ist, lässt sich der Schweregrad nur unter Einbeziehung der Patientinnen und Patienten bewerten. Hierfür gibt es verschiedene Skalen. Eine der am häufigsten verwendeten ist die Borg-Skala.
Die Borg‑Skala ist eine subjektive Bewertungsskala zur Einschätzung der Atemnot. Patientinnen und Patienten bewerten ihre Dyspnoe auf einer numerischen Skala (meist 0–10) von „keine Atemnot“ bis „maximale Atemnot“. Sie wird insbesondere in der Pneumologie und der Atemtherapie genutzt, um Belastbarkeit, Therapieeffekte und den subjektiven Leidensdruck vergleichbar darzustellen.
Ursachen der Dyspnoe
Die Ursachen der Dyspnoe können verschiedener Genese sein. Man unterscheidet sie nach dem Ursprung der zugrunde liegenden Erkrankung. Handelt es sich um eine Lungenerkrankung, dann ist es eine pulmonale Ursache. Wenn der Dyspnoe eine kardiologische Erkrankung zugrunde liegt, spricht man von einer kardialen Ursache. Weitere Ursachen sind skelettale, neuromuskuläre, psychogene und sonstige. Zu den sonstigen Ursachen zählen unter anderem Adipositas oder eine Azidose.
Wie entsteht Dyspnoe?
Dyspnoe ist ein komplexes Phänomen, das durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann. Sie entsteht durch ein Missverhältnis zwischen ventilatorischem Bedarf und tatsächlicher Ventilationsleistung. Das Atemzentrum im Gehirn spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation der Atmung.
Dyspnoe kann durch verschiedene Mechanismen im Atemzentrum entstehen. Chemorezeptoren sorgen dafür, dass Veränderungen im Blut, wie beispielsweise eine Erhöhung des CO₂-Gehalts oder eine Abnahme des O₂-Gehalts, erkannt werden und das Atemzentrum stimulieren. Dies kann eine Dyspnoe auslösen. Auch Mechanorezeptoren in der Lunge und den Atemwegen können durch Dehnung oder Irritation stimuliert werden, was ebenfalls zu einer Dyspnoe führen kann.
Wie erkenne ich Dyspnoe?
Dyspnoe kann auf unterschiedliche Weise auftreten. Manche Menschen bemerken sie zunächst nur bei körperlicher Anstrengung, etwa beim Treppensteigen, schnellen Gehen oder beim Tragen von Einkäufen. Andere erleben plötzlich das beängstigende Gefühl, nicht tief genug einatmen zu können oder bei jedem Atemzug zu wenig Luft zu bekommen.
Ein Patient Anfang 50 berichtete: „Früher bin ich ohne Probleme in den dritten Stock gelaufen. Jetzt muss ich nach jeder Etage stehen bleiben, weil ich das Gefühl habe, meine Lunge füllt sich nicht mehr richtig.“ Dies ist ein typisches Beispiel für eine Belastungsdyspnoe.
Eine weitere Patientin schilderte ihre Erfahrung so: „Es fühlt sich so an, als würde ich nur bis zur Hälfte einatmen können. Egal wie sehr ich es versuche, ich bekomme nicht genug Luft.“ Dieses Gefühl der Kurzatmigkeit gehört zu den häufigsten Beschreibungen von Patientinnen und Patienten. Die Betroffenen berichten immer wieder, dass sie nicht genug Luft bekommen.
Oft verändert sich auch die Atmung selbst. Patientinnen und Patienten beginnen schneller zu atmen, weil sie glauben, nicht ausreichend Sauerstoff zu bekommen. Dabei wird die Atmung automatisch flacher. Ein Mann sagte: „Ich merke gar nicht, dass ich schneller atme. Aber plötzlich wird mir schwindelig und ich bekomme noch mehr Angst.“ Hier entsteht ein Kreislauf: Schnelles, flaches Atmen verstärkt das Gefühl der Luftnot, und die daraus resultierende Angst verstärkt wiederum die Dyspnoe.
Deshalb ist es wichtig, Betroffene in solchen Momenten zu beruhigen. Eine ruhige Ansprache, das Vermeiden von Hektik, bewusst eingeleitete Atemübungen sowie der Einsatz von Atemtherapiegeräten können in dieser Situation als Anker dienen.
„Dyspnoe zu erkennen, bedeutet somit nicht nur, auf die Atemfrequenz zu achten. Es bedeutet auch, das subjektive Empfinden der Betroffenen ernst zu nehmen. Für viele Patientinnen und Patienten ist Dyspnoe in diesem Moment nicht nur ein medizinisches Symptom, sondern das Gefühl, um jeden Atemzug kämpfen zu müssen.“
Ursachen der Dyspnoe
Es ist wichtig, die Ursache der Dyspnoe zu erkennen, da diese wegweisend für die Therapie ist. In der Ätiologie unterscheidet man verschiedene Ursachenbereiche.
Die pulmonalen Ursachen liegen vor, wenn der Grund der Dyspnoe in der Lunge beziehungsweise den Atemwegen zu finden ist. Hierzu gehören obstruktive Erkrankungen wie Asthma oder COPD, Infektionen, interstitielle Lungenerkrankungen sowie ein Pneumothorax.
Bei den kardialen Ursachen handelt es sich um einen kardiogenen Ursprung der Dyspnoe. Diese Ursache bezieht sich auf eine Erkrankung oder Störung des Herzens, die unter anderem Dyspnoe als Symptom hervorruft. Eine Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Ursachen für Dyspnoe. Bei der Herzinsuffizienz wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Blut und damit auch mit Sauerstoff versorgt.
Herzklappenfehler haben zur Folge, dass der Blutkreislauf gestört ist und das Blut nicht mehr korrekt oder nur unzureichend fließt. Ein ACS (Akutes Koronarsyndrom) ist eine Ursache, die häufig zu einer akuten Dyspnoe führt. Hierbei werden eine oder mehrere Koronararterien nicht mehr ausreichend versorgt.
Weitere Ursachen für das Leitsymptom Dyspnoe können auch neuromuskuläre Erkrankungen sein. Die Erkrankung schwächt oder lähmt die Atemmuskulatur. Dadurch kommt es zu einer unzureichenden Atmung.
In manchen Fällen ist die Ursache der Dyspnoe auch psychogen, etwa als Hyperventilation oder Atemnot ohne organische Ursache. Hierbei handelt es sich um eine Form der Dyspnoe, die durch psychische Faktoren wie Angst, Stress oder Panik ausgelöst wird. Wenn wir Angst oder Stress empfinden, wird unser Körper in einen „Fight‑or‑Flight‑Zustand“ versetzt. Dies führt zu einer Steigerung der Atemfrequenz und -tiefe, um mehr Sauerstoff aufzunehmen. Angst oder Stress können dann zu einer Überreaktion des Atemsystems führen. Die Atmung wird schneller und flacher, es kommt zu einer Hyperventilation mit einem Abfall des CO₂-Gehalts im Blut.
Maßnahmen bei Dyspnoe
Dyspnoe ist mehr als ein körperliches Symptom, sie ist ein zutiefst erschütterndes Erlebnis. Die Behandlung richtet sich zwar nach der zugrunde liegenden Ursache, doch in dem Moment, in dem ein Mensch nach Luft ringt, zählt vor allem eines: schnelle und menschliche Nähe.
In akuten Situationen können Sauerstoffgabe, eine unterstützende NIV oder Medikamente wie Bronchodilatatoren und Diuretika lebensrettend sein. Sie öffnen die verengten Atemwege, entlasten Herz und Lunge und geben dem Körper wieder Raum zum Atmen. Doch neben all diesen medizinischen Maßnahmen gibt es etwas ebenso Wichtiges: das Gefühl, nicht allein zu sein.
Ein Patient beschrieb es so: „Es war, als würde sich meine Brust immer enger zusammenziehen. Ich wusste, dass ich Luft bekam – aber es fühlte sich nicht so an. Die Angst war schlimmer als alles andere.“
Viele Betroffene erleben panische Angst, manchmal sogar Todesangst. Sie haben Angst zu ersticken. In diesen Momenten helfen neben der Technik auch eine ruhige Stimme, ein offenes Fenster, das Lösen einengender Kleidung und eine Hand, die Sicherheit vermittelt.
Eine ältere Patientin mit chronischer Atemnot erzählte: „Ich kenne diese Art von Anfällen schon. Aber jedes Mal habe ich Angst, dass es diesmal nicht besser wird. Immer wenn diese Anfälle kommen, dann nehme ich mein Atemtherapiegerät und konzentriere mich auf die Atmung. Das wurde mir damals in der Klinik gezeigt. Dann versuche ich, mit Atemübungen und Inhalationen mein Sekret abzuhusten. Diese Übungen muss ich bei meiner Erkrankung sowieso täglich machen, aber wenn ich durch zu viel Schleim diese Anfälle habe, werden diese intensiviert.“
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Für Menschen mit chronischer Dyspnoe sind Inhalationsgeräte und Atemübungen wichtige Begleiter im Alltag. Sie geben Kontrolle zurück – ein Stück Selbstbestimmung in einer Situation, die sich sonst überwältigend anfühlt.
Gezielte Atemübungen können helfen, die Atmung zu vertiefen und die Atemfrequenz zu senken. Sie sind auch hier mehr als nur Technik, sie sind für die Patientinnen und Patienten ein Anker. Ein jüngerer Patient sagte bei einem Kontrolltermin: „Als ich mich auf meinen Atem konzentriert habe, wurde es auch langsam in mir ruhiger und die Atemnot wurde gebessert. In dieser Situation habe ich gemerkt, wie Kleinigkeiten mich aus so einer Situation holen können.“
Die Versorgung von Menschen mit Luftnot bedeutet daher zweierlei: medizinisch kompetent zu handeln und zugleich menschlich präsent zu sein. Denn wer nach Luft ringt, kämpft nicht nur um den Sauerstoff, sondern auch um Sicherheit, um Kontrolle und um das Gefühl, weiterleben zu können.
Quellen:
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