Chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen (COPD)

Die Abkürzung COPD (chronic obstructive pulmonary disease) steht zusammenfassend für verschiedene Erkrankungen der unteren Atemwege, bei denen sowohl die Bronchien als auch das Lungengewebe in Mitleidenschaft gezogen sind. Umgangssprachlich wird die COPD oft auch als Raucherhusten bezeichnet.

COPD Video - Was ist COPD

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO stellt die COPD weltweit die dritthäufigste Todesursache dar. In Deutschland sind etwa 6 Mio. Menschen von der Lungenkrankheit betroffen. Das Erkrankungsrisiko ist damit vergleichbar mit dem von Asthma und Diabetes und höher als das eines Herzinfarktes. Vor diesem Hintergrund kann man COPD in Deutschland getrost als Volkskrankheit bezeichnen.

In unserem COPD-Informationsfilm erläutert der Lungenfacharzt Prof. Dr. Ulrich Cegla Entstehung und Therapiemöglichkeiten der COPD:

Ursachen der COPD

COPD UrsachenEs gibt nur wenige Erkrankungen, die sich in der Regel so eindeutig auf eine einzige Ursache zurückführen lassen wie die COPD: das Rauchen. Fast alle Erkrankten sind Raucher, ehemalige Raucher oder Passivraucher. Darüber hinaus begünstigen Umwelteinflüsse wie Abgase, aber auch genetische Faktoren die Entstehung der COPD.

Was passiert in den Atemwegen der Betroffenen? Normalerweise sorgen sogenannte Flimmerhärchen und eine dünne Schleimschicht in den Bronchien dafür, dass eindringende Schadstoffe schnell wieder aus den Bronchien abtransportiert werden. Der Zigarettenrauch stört jedoch diesen Reinigungsmechanismus: Er beschädigt die Flimmerhärchen und reizt die Schleimdrüsen der Bronchien, so dass mehr Schleim gebildet wird. Das Phänomen des Raucherhustens ist eine direkte Folge der vermehrten Schleimbildung.

Ist der natürliche Abtransport von Schadstoffen derartig gestört, entsteht ein idealer Nährboden für Erreger. So kommt es immer wieder zu Entzündungen in der Lunge, die auf Dauer auch das Lungengewebe angreifen. Wenn die Entzündungsprozesse weiter voranschreiten werden dabei Strukturen zerstört, die nicht wiederherstellbar sind - eine COPD entsteht.

Symptome der COPD

RC-CornetDie Symptome der COPD werden oft als AHA-Symptome bezeichnet, wobei „AHA“ für Auswurf, Husten und Atemnot steht.

Der typische Krankheitsverlauf einer COPD beginnt gewöhnlich mit Husten, der morgens am stärksten ausgeprägt ist.  Auch bei körperlicher Belastung kann es zu quälenden Hustenanfällen mit Auswurf kommen. Oft bleibt der Husten über Jahre hinweg das einzige Symptom der COPD.

Zur Atemnot kommt es bei COPD , weil sich die Atemwege wegen der entzündlichen Prozesse mehr und mehr verengen.  Ein Maß für die Verengung der Bronchien ist die Sekundenkapazität FEV1. Sinkt die Sekundenkapazität auf etwa 50 % des Sollwertes ab, entsteht Atemnot –zunächst nur bei Belastung, aber bei weiter sinkenden Werten auch im Ruhezustand.

Die Betroffenen nehmen die Symptome wegen des schleichenden Verlaufs der COPD anfangs oft nicht ernst. Mit gelegentlichem Husten können sich die meisten Menschen gut arrangieren und die Atemnot steigert sich nur allmählich, so dass sie anfangs kaum bemerkt wird. Bei vielen Patienten wird eine COPD daher recht spät im fortgeschrittenen Krankheitsstadium diagnostiziert.

Diagnose

COPD LungenfunktionstestFür eine sichere Diagnose der COPD sind neben den Symptomen die Ergebnisse eines Lungenfunktionstests ausschlaggebend. Unter anderem werden mithilfe eines sogenannten Spirometers die Sekundenkapazität (FEV1) sowie die forcierte Vitalkapazität (FVC) oder auch die Sechssekundenkapazität (FEV6) gemessen.

Weil Lungenpatienten oft unter einer schwächer werdenden Lungenfunktion leiden, geben regelmäßige Lungenfunktionstests Auskunft über den Verlauf der Erkrankung. Deshalb sollten sie regelmäßige Tests durchführen und die gemessenen Werte in ein Patienten-Tagebuch eintragen. Dem behandelnden Arzt liefert das Tagebuch dann wichtige Informationen darüber, welche therapeutischen Maßnahmen in Frage kommen und welche Medikamente die beste Wirkung zeigen.

RC-Test COPD

Anhand der gemessenen Werte wird die COPD nach den Standards der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) in vier Schweregrade eingeteilt:

Schweregrad 1: leichte COPD
Schweregrad 2: mittlere COPD
Schweregrad 3: schwere COPD
Schweregrad 4: sehr schwere COPD

Speziell für die Anwendung zu Hause gibt es auch digitale Lungenfunktionstests, die den Patienten die regelmäßige Selbstkontrolle verschiedener Lungenfunktionswerte ermöglichen. Diese handlichen Geräte bieten eine gute Ergänzung der ärztlichen Diagnostik.

Therapie

COPD TherapieDer erste Therapieschritt besteht darin, die Ursache der Erkrankung abzustellen und das Einatmen der Schadstoffe zu vermeiden. Ein Rauchstopp ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie!

Ziel der COPD-Therapie ist in erster Linie, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und das Voranschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Die Therapie der vorhandenen Symptome beinhaltet je nach Patient und Ausprägung der COPD mehrere Bausteine.

1. Medikamentöse Therapie

Medikamente zur Inhalation haben den Zweck, Entzündungsprozesse zu stoppen, Schleimhautschwellungen zu reduzieren und die Atemwege zu erweitern. Kortisonhaltige Medikamente gehören zu den Mitteln der Wahl bei fortgeschrittener COPD, außerdem werden bei akuten bakteriellen Entzündungen Antibiotika eingesetzt.

Werden die Medikamente mit Dosieraerosolen inhaliert, empfiehlt sich die Anwendung einer Inhalierhilfe (auch Spacer genannt). Insbesondere kortisonhaltige Medikamente verursachen Nebenwirkungen wie Pilzbefall und Stimmbandreizungen. Inhalierhilfen minimieren diese Nebenwirkungen von Dosieraerosolen und optimieren die  Deposition des Wirkstoffs in der Lunge.

RC-Compact Space Chamber

Durch eine sogenannte Peak-Flow-Messung mittels Peak-Flow Meter kann die Weitstellung der Atemwege gemessen und auf diese Weise die Wirkung der medikamentösen Therapie überprüft werden.

Außerdem helfen Schutzimpfungen gegen Grippeviren und Pneumokokken Infektionen und Exazerbationen zu vermeiden.

2. Physiotherapie

Studien belegen, dass körperliches Training das Fortschreiten der COPD verlangsamt. Die Befunde zeigen, dass angemessene Bewegung Ausdauer und körperliche Belastbarkeit verbessert, die Symptome lindert und Krankenhausaufenthalte verringert. Welche sportlichen Aktivitäten in Frage kommen, hängt wiederum vom Schweregrad der COPD ab. Im fortgeschrittenen Stadium bieten sich sogenannte Lungensportgruppen an, die sich sich auf das Training mit Lungenpatienten spezialisiert haben.

Auch eine Atemphysiotherapie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der erfolgreichen COPD-Behandlung. Hier erlernen Patienten unter Anleitung Atemübungen und bestimmte Körperhaltungen, die das Atmen erleichtern, wie z.B. die Lippenbremse und den Kutschersitz.

Fachgesellschaften empfehlen bei COPD zusätzlich die Therapie mit oszillierenden PEP-Geräten wie dem RC-Cornet®. Das RC-Cornet® erzeugt Druck- und Flussschwankungen, welche die Bronchien erweitern und das Abhusten des zähen Schleims erleichtern.  Studien haben gezeigt, dass regelmäßiges Training mit dem RC-Cornet® das Wohlbefinden der COPD-Patienten nachhaltig verbessert, den Antibiotikabedarf senkt und Krankenhausaufenthalte reduziert.

3. Sauerstofftherapie / Beatmung

COPD SauerstofftherapieDie Sauerstofftherapie hilft bei chronischer Ateminsuffizienz und verbessert das Wohlbefinden der COPD-Patienten erheblich. Bei frühzeitigem Einsatz im Krankheitsverlauf kann sie sogar die Lebenserwartung verlängern.

Neben der Anwendung in der Klinik gibt es auch portable Geräte, die der Patient zu Hause und unterwegs nutzen kann. banner-sauerstoff-copd

RC-SauerstoffnasenbrilleDie Sauerstofftherapie ist erforderlich, wenn eine Blutgasanalyse einen dauerhaften Sauerstoffpartialdruck unter 60 mm Hg feststellt und die pCO2-Werte nicht stärker erhöht sind. Die Zufuhr von Sauerstoff über eine Nasenbrille vermindert Risiken wie einen Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) und ist für den Patienten angenehm.

Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass die künstliche Erhöhung des Sauerstoffgehalts der Luft durch eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LOT = long-term oxygen therapy) die Belastbarkeit bei fortgeschrittener COPD wieder erhöht und darüber hinaus lebensverlängernd wirkt.

4. Ernährungstherapie

Viele Patienten mit schwerer COPD zeigen erheblichen Gewichtsverlust, der durch fettreiche und hochkalorische Nahrung kompensiert werden kann.

5. Operative Eingriffe

Wenn bei der fortgeschrittenen COPD alle therapeutischen Maßnahmen keine Besserung bewirken, kommt für manche Patienten eine Lungenvolumenreduktion oder eine Lungentransplantation in Frage. Bei einer Lungenvolumenreduktion werden Lungenventile in überblähte Bereiche der Lunge eingesetzt, um sie zu entblähen. Als letzte Möglichkeit bleibt die Lungentransplantation mit einer Spenderlunge - allerdings ist dieser schwere Eingriff nur in seltenen Fällen möglich.

 


 

Atemphysiotherapie

Atemphysiotherapie

Die Atemphysiotherapie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit der Atmung verbundene Störungen abzubauen. Durch Atemtraining wird dabei die entsprechende Muskulatur gestärkt und die Lungenfunktion gesteigert.

Hier finden Sie Hilfsmittel zur Atemphysiotherapie:

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