Sekretolyse und Sekretmobilisation mit oszillierender Therapie

Bei sekretbildenden Atemwegserkrankungen ist die Sekretolyse die Grundvoraussetzung zur erfolgreichen Therapie. Sie bezeichnet den Vorgang, festsitzendes Sekret in den Atemwegen zu verflüssigen und dadurch zu lösen. Dabei gewinnt auch die Oszillation seit einiger Zeit immer mehr an Bedeutung. Wir erläutern, wo und wie oszillatorische Therapien vielversprechend eingesetzt werden können.
Symbolfoto für Bronchoskopie © Fotolia.com

Definition: Sekretolyse mittels Oszillation

Die oszillatorische Therapie nutzt mechanische Vibrationen, um das Sekret in den Atemwegen zu lösen und den Abtransport zu erleichtern. Dabei wird ein Resonanzphänomen ausgelöst, das unter anderem den Bronchialbaum in Schwingung versetzt. Der Effekt: Das visköse Sekret löst sich von den Bronchialwänden, wird von distal nach zentral abtransportiert und kann so leichter abgesaugt oder -gehustet werden1.

Der oszillierende PEP (positive expiratory pressure) bedient sich sowohl dieser Oszillation als auch der bewährten Methode des Ausatmens gegen einen Widerstand. Dadurch wird das Atemwegssystem geöffnet. Dies unterstützt die mukoziliäre Clearance2. Mehrere Studien bestätigen die Wirksamkeit der oszillierenden PEP-Therapie bei Lungenerkrankungen wie beispielsweise COPD. So kann sie neben der Sekretolyse zur Erhöhung verminderter Lungenvolumina beitragen, eine Überblähung der Lunge reduzieren und für einen verbesserten Gasaustausch sorgen3. OPEP ist mittlerweile ein häufig angewandtes Verfahren in der pneumologischen Therapie.

Sekretolyse im stationären Behandlungsrahmen

Im klinischen Kontext wird Sekretolyse unter anderem bei Patient:innen angewandt, die Probleme beim Abhusten haben – etwa weil es dafür an Kraft mangelt oder das Liegen die Sekretmobilisation erschwert. Zu diesem Zweck gibt es verschiedene Verfahren und Techniken aus der modernen Atemphysiotherapie, die Abhilfe verschaffen können. Studien haben gezeigt, dass die Sekretolyse durch oszillierenden PEP (OPEP) schon bei einer fünfminütigen Anwendung drei Mal täglich nach 14 Tagen zu einem deutlich verbesserten Auskultationsbefund führen kann. Zudem kam es zu einer signifikanten Verbesserung der Vital- und Sekundenkapazität sowie des Peak-Flow-Wertes4.

Eine weitere Studie an 50 stationär aufgenommenen Patient:innen mit schwerer COPD verdeutlichte, dass die konsequente Anwendung von OPEP den Krankenhausaufenthalt verkürzen konnte: Bei rein medikamentöser Behandlung blieben die Patient:innen durchschnittlich 18,3 Tage in der Klinik, bei der Kombination aus OPEP und Medikamenten waren es nur 16,2 Tage. Zudem benötigten in der Versuchsgruppe nur 13 Patient:innen einen Antibiotika-Therapie – in der Kontrollgruppe waren es 24 von 255.

Selbst für tracheotomierte Patient:innen mit Kanüle kann die Oszillation in der Sekretolyse Anwendung finden. Ein Beispiel hierfür ist der RC-Cornet® PLUS TRACHEO. Er ermöglicht zudem die Option einer gleichzeitigen Inhalationstherapie und lässt sich lageunabhängig anwenden, was auch das Absaugen des Sekrets vereinfacht.
Insgesamt kann OPEP nachweislich zu einer Reduktion der Dyspnoe beitragen und Patient:innen dadurch besser durchatmen lassen. Die einfache Anwendung des Hilfsmittels unterstützt außerdem die Pflegekräfte bei der Durchführung der Sekretolyse an den Patient:innen6.

Beitrag des NDR-Magazins, der die Verwendung im klinischen Alltag zeigt:

Sekretolyse bei der ambulanten Therapie

Auch in der ambulanten Pflege spielt die Sekretolyse eine wichtige Rolle. Hier stehen den Patient:innen und ihren Betreuer:innen spezielle Geräte zur Verfügung, die ein leichteres Absaugen oder Abhusten ermöglichen und so die Krankheitssymptome lindern können. Dazu gehört beispielsweise das RC-Cornet® PLUS, ein oszillierendes Atemtherapiegerät für die unteren Atemwege. Er hilft Betroffenen, den Schleim zu lösen, reduziert Husten und lindert Atemnot. Das wiederum vermindert das Risiko für Exazerbationen und den Antibiotikabedarf7.

Das RC-Cornet® PLUS kann auch in Kombination mit Feuchtinhalation verwendet werden, indem man es mithilfe des integrierten Vernebleransatzes am Inhalationsgerät anschließt. Diese Möglichkeit kann die Medikamentendeposition verbessern und die Therapiezeit verkürzen – ein wichtiges Kriterium für die ambulante Therapie. So zeigte eine randomisierte Studie mit 35 Patient:innen mit schwerer COPD, dass nach Inhalation der gleichen Medikamentendosis eine signifikant bessere Lungenfunktion bei der Gruppe nachweisbar war, bei der ein oszillierendes PEP-System in die Inhalationstherapie eingebunden wurde. Dadurch verkürzte sich auch die Therapiezeit8.

Die oszillierende PEP-Methode kann also auch im ambulanten Setting Abhilfe schaffen und damit den Betroffenen ein insgesamt besseres Lebensgefühl vermitteln.

RC-Cornet PLUS Kombi-Therapie

Oszillierender PEP bei der Sekretolyse zu Hause

Nicht zuletzt ist Sekretolyse ein wichtiger Bestandteil der Therapie von chronischen Lungenerkrankungen. Hier stehen dem medizinischen Fachpersonal verschiedene Techniken zur Verfügung, wie zum Beispiel Inhalationen, Atemphysiotherapie oder oszillierende PEP-Geräte. Insbesondere bei Patient:innen mit hartnäckigem und besonders zähem Schleim können diese Methoden eine Erleichterung der Beschwerden bewirken. OPEP hilft, indem es das Sekret verflüssigt und die Atmung erleichtert.

Vorteilhaft aus Sicht der niedergelassenen Pneumolog:innen ist auch, dass Krankenhauseinweisungen bei der Anwendung einer OPEP-Therapie im sekretolytischen Kontext weit seltener nötig waren. Das zeigte eine Studie unter 50 Patient:innen mit schwerer COPD, die über zwei Jahre hinweg beobachtet wurden9.

In der Anwendung daheim hat sich das RC-Cornet® PLUS ebenfalls bewährt, weil es sich sowohl von Erwachsenen, als auch Kindern nach erstmaliger Einweisung durch das Praxispersonal leicht anwenden lässt. Damit trägt es wissenschaftlich erwiesen zur schonenden Sekretmobilisation und zu einem erfolgreichen Sekretmanagement bei.

Zusammenfassung

Die oszillatorische Therapie bietet eine vielversprechende Behandlungsoption für Patient:innen mit (obstruktiven) Atemwegserkrankungen, insbesondere jenen mit viskösem Sekret. Gerade in der Anwendung von Oszillation und oszillierendem PEP liegt hier großes Potenzial. Durch die mechanischen Schwingungen kann das Sekret effektiv gelöst und der Abtransport erleichtert werden. Dies führt zu einer Verbesserung der Atemwegsfunktion und der Lebensqualität. Darüber entstehen bei der oszillatorischen Therapie in der Regel keine Nebenwirkungen und sie kann sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern angewendet werden.

Quellen:
1 App E M, Wunderlich M O, Lohse P, King M, Matthys H. Oszillierende Physiotherapie bei Bronchialerkrankungen – rheologischer und antientzündlicher Effekt. Pneumologie. 1999; 53 1-12
2 Ramos, F. L., Krahnke, J. S., & Kim, V. (2014). Clinical issues of mucus accumulation in COPD. International journal of chronic obstructive pulmonary disease, 139-150.
3 Kähler, K. (2020). Der Einsatz von oszillierenden PEP-Systemen (hier RC-Cornet® PLUS TRACHEO) bei tracheotomierten Patienten im Rahmen des Weanings. Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Asklepios Hamburg, Fort- und Weiterbildung Anästhesie und Intensivpflege.
4 Fagevik Olsén M, Lannefors L, Westerdahl E. Positive expiratory pressure – Common clinical applications and physiological effects. Respir Med. 2015 Mar;109(3):297-307. doi: 10.1016/j.rmed.2014.11.003. Epub 2014 Nov 12. PMID: 25573419.
5 Merz, P. (Ed.). (2021). Hilfsmittel und apparative Unterstützung. Physiotherapie in der Inneren Medizin. Georg Thieme Verlag, 175-208.
6 Nationale Versorgungsleitlinien (2021). 4 Nicht-medikamentöse COPD. NVL COPD. Abgerufen bei https://www.leitlinien.de/themen/copd/2-auflage/kapitel-4 am 24. Juli 2023.
7 Cegla U H, Retzow A. Physiotherapie mit dem VRP1 bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen – Ergebnisse einer Multizenterstudie. Pneumonie. 47; 1993 636-639
8 Cegla, U. H., Jost, J. H., Harten, A., & Weber, T. (2001). RC-Cornet® verbessert den Effekt einer Inhalationstherapie mit Ipratropiumbromid (Atrovent®) bei COPD-Patienten. Pneumologie, 55(10), 465-469.
9 Cegla, U. H., Jost, H. J., Harten, A., Weber, T., & Wissmann, S. (2002). Krankheitsverlauf bei schwerer COPD mit und ohne Physiotherapie mit dem RC-Cornet®. Pneumologie, 56(07), 418-424.
Weitere:
• Cegla, U. (2000). Physiotherapie mit oszillierenden PEP-Systemen (RC-Cornet®, VRP1®) bei COPD1. Pneumologie (Stuttgart, Germany). 54. 440-6. 10.1055/s-2000-7685.

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