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Atempumpe und Lunge: Warum die Unterscheidung für Atemphysiotherapie und Atemtraining wichtig ist

Atempumpe und Lunge erfüllen beim Atmen unterschiedliche Aufgaben und können unabhängig voneinander beeinträchtigt sein. Zur Atempumpe gehört auch das Zwerchfell als wichtigster Einatemmuskel. Für Physiotherapeut:innen ist diese Unterscheidung wichtig, da sich daraus unterschiedliche therapeutische Schwerpunkte ergeben können. Atemphysiotherapeutin Beate Konietzko erläutert, worauf es dabei ankommt.

Fachbeitrag von Beate Konietzko

Inhalte der Schulung „Atmen ist Teamarbeit"

Für die Auswahl atemphysiotherapeutischer Maßnahmen ist entscheidend, welches System im Vordergrund steht: die Lunge oder die Atempumpe. Beide Kompartimente arbeiten bei jedem Atemzug zusammen. Für die therapeutische Einordnung kann es dennoch hilfreich sein, ihre Aufgaben getrennt zu betrachten.

Beate Konietzko, Physiotherapeutin mit dem Schwerpunkt Atemphysiotherapie und 1. Vorsitzende der AG Atemphysiotherapie, arbeitet seit vielen Jahren mit Lungenpatient:innen. Aus ihrer täglichen Praxis kennt sie aber auch Menschen, deren Atemprobleme nicht von der Lunge ausgehen.

In ihrer Schulung „Atmen ist Teamarbeit“ zeigt Beate Konietzko, warum ähnliche Atembeschwerden unterschiedliche Ursachen haben können. Dabei erklärt sie das respiratorische System anschaulich und alltagsnah.

Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:

  • Warum bedeuten Atembeschwerden nicht automatisch, dass die Lunge erkrankt ist?
  • Welche Aufgaben übernehmen Lunge und Atempumpe?
  • Welche Warnzeichen können auf eine nachlassende Atempumpenfunktion hinweisen?
  • Welche therapeutischen Schwerpunkte können sich daraus ergeben?

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Kompartiment Lunge: Gasaustausch und Obstruktion

Die Lunge übernimmt den Gasaustausch: Sauerstoff gelangt ins Blut, Kohlendioxid wird über die Ausatmung abgegeben. Kommt es zu einer Verengung oder Verlegung der Atemwege, spricht man von einer Obstruktion. Diese kann die Ausatmung erschweren. Zu einer Obstruktion tragen drei Faktoren bei:

  • Schwellung der Schleimhaut
  • Sekretansammlungen in den Atemwegen
  • Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchialmuskulatur)

Beispiele für Erkrankungen, bei denen eine Obstruktion der Atemwege eine Rolle spielen kann:

  • Asthma
  • COPD
  • Mukoviszidose und
  • Primäre ziliäre Dyskinesie (PCD)

Bei COPD können chronische Entzündungsprozesse den Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege beeinträchtigen. Dieser Mechanismus heißt mukoziliäre Clearance. Er transportiert Sekret aus den Atemwegen nach außen.

Wichtig für die Atemphysiotherapie: Bei solchen Lungenerkrankungen stehen Ausatmung und Sekrettransport häufig im Fokus der Therapie.

Kompartiment Atempumpe: Zwerchfell, Brustkorb und Atemhilfsmuskulatur

Die Atempumpe sorgt dafür, dass Luft in die Lunge einströmt und wieder aus ihr herausgelangt. Zu ihr gehören:

  1. Brustkorb und Wirbelsäule
  2. Zwerchfell als kuppelförmiger Haupteinatemmuskel
  3. Atemhilfsmuskulatur
  4. Zentrales Nervensystem mit Atemzentrum

Die Atempumpe kann aus sehr unterschiedlichen Gründen geschwächt sein, wie zum Beispiel:

  • Orthopädische Probleme, zum Beispiel eine sehr ausgeprägte Skoliose
  • Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder ein Schlaganfall
  • Neuromuskuläre Erkrankungen wie Duchenne-Muskeldystrophie und spinale Muskelatrophie. Bei diesen Erkrankungen können Muskeln zunehmend geschwächt sein. Das kann auch das Zwerchfell betreffen.
  • Separierte Zwerchfelllähmung

In dieser Betrachtung werden solche Störungen der Atempumpe dem Bereich der Restriktion zugeordnet. Dabei steht nicht primär eine Einengung der Atemwege im Vordergrund. Stattdessen kann die Atempumpe nicht ausreichend Luft in die Lunge befördern. Die Folge kann sein, dass Kohlendioxid (CO₂) nicht ausreichend abgeatmet wird und der Kohlendioxidpartialdruck (PCO₂) ansteigt.

Wichtig zu wissen
Die Gegenüberstellung von Obstruktion und Restriktion dient der Veranschaulichung. In der Praxis können sich beide Aspekte überschneiden und Patient:innen Merkmale beider Bereiche aufweisen.

Warnzeichen einer nachlassenden Atempumpenfunktion: Wo Physiotherapeut:innen hellhörig werden sollten

Physiotherapeut:innen begleiten Patient:innen mit neurologischen, orthopädischen oder neuromuskulären Erkrankungen oft über lange Zeit. Veränderungen der Atemfunktion können sie deshalb früh bemerken. Ein schwächer werdendes Zwerchfell bleibt jedoch äußerlich unsichtbar.

Folgende Hinweise sollten Physiotherapeut:innen im Blick behalten:

  • Atemnot im Liegen
  • Schlechter Schlaf
  • Morgendliche Kopfschmerzen
  • Schweres Erwachen
  • Ausgeprägte Müdigkeit oder das Gefühl, nicht erholt zu sein
  • Konzentrationsschwäche

Solche Hinweise sollten Anlass für eine zeitnahe pneumologische Abklärung sein. Dort kann beispielsweise geprüft werden, ob eine nicht-invasive Beatmung sinnvoll ist.

Wichtig für die Behandlung:

– Individuelle Belastbarkeit berücksichtigen.
– Patient:innen nicht überfordern.
– Treten Atemprobleme in Rückenlage auf, sollte nicht auf dieser Position bestanden werden.

Was die Unterscheidung für Atemphysiotherapie und Atemtraining bedeutet

Es gibt kein „One fits all“: Welche Maßnahme sinnvoll sein kann, hängt von der individuellen Situation ab.

Bei erkrankter Lunge: Ausatmung und Sekrettransport unterstützen

Bei einer Obstruktion ist die Ausatmung erschwert. Bei COPD fehlen zudem Rückstellkräfte der Lunge. Dadurch können die Atemwege kollabieren und Luft zurückbleiben.

PEP steht für „Positive Expiratory Pressure“. Dabei atmet die Patientin oder der Patient gegen einen Widerstand aus. Der Widerstand kann helfen, die Atemwege während der Ausatmung länger offen zu halten. Die Lippenbremse ist die einfachste Form dieses Prinzips.

Ergänzend kommen Atemtherapiegeräte infrage, die die Ausatmung verlängern und den Sekrettransport unterstützen, zum Beispiel das RC-Cornet® PLUS. Es erzeugt zusätzlich eine Oszillation, also eine Schwingung, die die Fließeigenschaft des Sekrets verändern und das Abhusten unterstützen kann.

RC-Cornet® PLUS

RC-Cornet® PLUS

Atemtherapiegerät mit Oszillation und Feuchtinhalations-Anschluss für die unteren Atemwege

Das Atemtherapiegerät RC-Cornet® PLUS erzeugt einen positiven Ausatemdruck, der festsitzenden Bronchialschleim bei chronischen Atemwegserkrankungen lösen und Husten sowie Atemnot reduzieren kann. Studien belegen, dass eine regelmäßige Therapie den Bedarf an Antibiotika und die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten reduzieren kann.

Bei gestörter Atempumpe: Zwerchfell und Atemmuskulatur aktivieren, Husten unterstützen

Bei einer gestörten Atempumpe sind die Atemwege in der Regel nicht obstruiert. Eine Ausatemhilfe steht deshalb nicht im Vordergrund.

Kommt bei einem Infekt Sekret hinzu, kann ein zu schwacher Husten die Entfernung erschweren. Für einen wirksamen Husten sind vier Schritte erforderlich:

  1. Tiefe Einatmung
  2. Glottisschluss
  3. Druckaufbau durch die Hustenmuskulatur
  4. Kräftiger Hustenstoß

Bei einer geschwächten Atempumpe kann jeder dieser Schritte erschwert sein, sodass das Sekret mechanisch nicht ausreichend bewegt wird. Physiotherapeut:innen unterstützen in solchen Situationen die Funktion der Atempumpe.

Das RC-FIT® CLASSIC wird in der Schulung als Beispiel für die Aktivierung der Atemmuskulatur genannt. Es bietet einen Widerstand in der Ausatmung und soll einem zu schnellen Abbau der Muskulatur entgegenwirken. Dabei ist darauf zu achten, dass sich der Bauch nach vorne wölbt, ein Zeichen dafür, dass das Zwerchfell arbeitet, auch wenn bei einer gestörten Atempumpe die Atemhilfsmuskulatur mit eingesetzt werden muss.

RC-FIT® CLASSIC

RC-FIT® CLASSIC

3-in-1 für Training, Therapie und Entspannung – zur Prävention, Rehabilitation und Leistungsverbesserung

Einzigartiges, oszillierendes Atemphysiotherapiegerät (O-PEP) und oszillierender Atemmuskeltrainer (O-IMT) in einem. Die meditativen Töne bei der Ein- und Ausatmung geben ein Feedback zur Anwendung und können beruhigend sowie stresslindernd wirken.

Wichtig für die Behandlung

Die individuelle Belastbarkeit sollte immer berücksichtigt werden. Je nach Erkrankung und Krankheitsstadium steht nicht die Aktivierung, sondern vielmehr die Unterstützung und Entlastung der Atmung im Vordergrund.

Beide Ansätze können sich ergänzen
Die Zuordnung zu Lunge oder Atempumpe schließt einander nicht aus. Menschen mit einer Störung der Atempumpe können beispielsweise zusätzlich an Asthma erkrankt sein. Führt ein Infekt zu einer Sekretansammlung in den Atemwegen, können auch Maßnahmen zur Sekretmobilisation sinnvoll sein.

Die oberen Atemwege nicht vergessen

Auch die oberen Atemwege gehören zum Thema Lunge. Dazu zählen insbesondere Nase und Nasennebenhöhlen. Läuft Sekret von dort in den Rachen, wird dies als Postnasal Drip bezeichnet.

Bei PCD und Mukoviszidose kann eine chronische Besiedlung der Nasennebenhöhlen wiederkehrende Infekte der unteren Atemwege unterhalten. Deshalb ist die Reinigung der oberen Atemwege, etwa durch eine Nasendusche, ein wichtiger Aspekt.

Das RC-Cornet® PLUS NASAL wird als Möglichkeit zur Mobilisation von Sekret in den oberen Atemwegen genannt.

Fazit: Lunge, Zwerchfell und Atempumpe gezielt einordnen

Ob die Atembeschwerden eher von der Lunge oder der Atempumpe mit dem Zwerchfell geprägt sind, beeinflusst die therapeutische Einordnung. Beide Bereiche arbeiten als Team, können aber unterschiedliche Schwerpunkte in Atemphysiotherapie und Atemtraining erfordern. Wer genau hinschaut und Warnzeichen einer nachlassenden Atempumpenfunktion kennt, kann die individuelle Situation bewusster einordnen.

Beate Konietzko

Über die Autorin

Beate Konietzko

Beate Konietzko ist Physiotherapeutin mit dem Schwerpunkt Atemphysiotherapie und Referentin. Sie ist die 1. Vorsitzende der AG Atemphysiotherapie im Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V. und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Atemtherapie von Menschen mit Atemwegs-, neurologischen und neuromuskulären Erkrankungen.

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